{"id":81,"date":"2008-03-02T13:27:36","date_gmt":"2008-03-02T11:27:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreaskahler.de\/?p=81"},"modified":"2008-11-02T13:39:15","modified_gmt":"2008-11-02T11:39:15","slug":"grenz-ethnographien-interview-mit-rohit-negi-kritischer-geograph","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/?p=81","title":{"rendered":"Grenz-Ethnographien: Interview mit Rohit Negi, kritischer Geograph"},"content":{"rendered":"<p>Was f\u00c3\u00bcr Auswirkungen zeitigt der Einzug der ausl\u00c3\u00a4ndischen Bergbauinvestoren in Solwezi auf indigene Gemeinschaften, welche Orte bringt der neue Boom hervor?<br \/>\nRohit Negi (Ohio, Bombay)untersucht, wie der in Afrika Rohstoffe ausbeutende Kapitalismus Orte hier ver\u00c3\u00a4ndert, er erkundet, <em>\u00e2\u20ac\u017ehow extractive capitalism effects real local places, spatial structural paterns and realities\u00e2\u20ac\u0153<\/em>. <!--more--><br \/>\nAusgehend von Michel Foucault, ist der Studie zum Grenzverlauf des internationalen Bergbaugesch\u00c3\u00a4fts ein Vergleich zwischen dem Einsatz alteurop\u00c3\u00a4ischer Schulmedizin (Seuchenquarant\u00c3\u00a4ne) und zeitgen\u00c3\u00b6ssischer HIV\/Aids-Public Health-Medizin im s\u00c3\u00bcdlichen Afrika vorgeschaltet.<\/p>\n<p>Um den Orts-Kontext seiner Studie anzudeuten, zitiert Rohit den Pr\u00c3\u00a4sidenten, der Solwezi \u00e2\u20ac\u017ethe biggest shanty town\u00e2\u20ac\u0153 nannte, als er die Kluft zwischen Boom Entwicklungsr\u00c3\u00bcckstand des Bergbaust\u00c3\u00a4dtchens feststellte. Wachstum und Risiko (hazard) sieht der Geograph in Solwezi untrennbar verkn\u00c3\u00bcpft: Einerseits w\u00c3\u00a4re f\u00c3\u00bcr die Entwicklung das Dreifache an wirtschaftlicher Leistung n\u00c3\u00b6tig, andererseits \u00c3\u00bcbersteige schon das jetzige Wachstum s\u00c3\u00a4mtliche Planungsf\u00c3\u00a4higkeit der Regierung. Die Ausbreitung der informellen Siedlungen sowie die unz\u00c3\u00a4hlbaren Neubauten, die j wie d errichtet w\u00c3\u00bcrden, seien schlie\u00c3\u0178lich das krasse Gegenteil jeglicher Stadtplanung. Und dennoch, gem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 sambischer Fortschrittsideen, gelten Minen-Jobs weiterhin als Traumjobs, so dass der Zuzug weiterer Gl\u00c3\u00bcckssucher gar nicht aufh\u00c3\u00b6ren k\u00c3\u00b6nne.<br \/>\n<strong>Enklaven<\/strong> und ihr jeweiliges <strong>Hinterland<\/strong> charakterisieren, so Negi, die Stellung des extractive capitalism in der Welt. Speerspitze \u00e2\u20ac\u017edieser neue Sorte Kapitalismus\u00e2\u20ac\u0153 sind die Rohstoffindustrien (extractive industries), zumal au\u00c3\u0178erhalb der f\u00c3\u00bchrenden Wirtschaftsnationen.<br \/>\nIm Gegensatz zu deren Inlandsindustrien, etwa innerhalb EU-Europas, sind die Quasi-Niederlassungen der globalisierten Rohstoffindustrie kaum mit der Umwelt (\u00e2\u20ac\u017eHinterland\u00e2\u20ac\u0153) verbunden, wo sie arbeiten, bezeichnend ist ihre Abgeschlossenheit. Und das erscheint umso bemerkenswerter, wenn wir die Erdverbundenheit, Lokalit\u00c3\u00a4t, der Rohstoffe \u00e2\u20ac\u201c beispielsweise des Kupfers \u00e2\u20ac\u201c bedenken. Konflikte zwischen Enklaven und Hinterland (=  indigene Gemeinschaften, Einheimische, \u00e2\u20ac\u017eNachbarn\u00e2\u20ac\u0153 der Minen etc.) sind so vorprogrammiert. <\/p>\n<p><strong>Offshore<\/strong>, wie Bohrinseln, lagern die Au\u00c3\u0178enposten des Extraktions-Kapitalismus im Rohstoff-Hinterland, wenig lokal verortet, sehr globalisiert in seinen Betriebsabl\u00c3\u00a4ufen, mannigfache Arbeitsbeziehungen mit vor allem anderen Industriel\u00c3\u00a4ndern unterhaltend.<\/p>\n<p>Spannung erzeugt unter solchen Umst\u00c3\u00a4nden die Frage nach der politischen Verantwortung (corporate governance\/corporate social responsibility): Entgegen der Systemlogik (extractive capitalism) erwartet man Verpflichtungen \u00e2\u20ac\u201c wie sie in Sambia ja nicht zuletzt von den staatlichen od. parastaatlichen Kupferbergwerken immer eingegangen worden waren! Negi betont nun aber ein interessantes Denkmotiv, das die Lage Sambias im Globalisierungsprozess betrifft: die Macht des Kapitalismus in Sambia sei v\u00c3\u00b6llig unklar; bei aller Vorrangstellung der Kupferindustrie seien schlie\u00c3\u0178lich riesige Gegenden praktisch ohne Verbindung zum Markt und zur Marktwirtschaft; 70% der Bev\u00c3\u00b6lkerung lebten getrennt davon: Kapitalismus in Sambia \u00e2\u20ac\u017ehas never taken off, it\u00c2\u00b4s a dream!\u00e2\u20ac\u0153 (Zur Einf\u00c3\u00bchrung der Systeme fehlten Investitionskapital, Verteilung, Transformation und Zugang der SambierInnen.)<\/p>\n<p>Just in diesem Zwischenraum also erforscht Negi die Wirklichkeit Solwezis \u00e2\u20ac\u201c im Sinne einer \u00e2\u20ac\u017eunvollst\u00c3\u00a4ndigen Geschichte\u00e2\u20ac\u0153, vergleichbar ironischerweise der Offenheit des gigantischen Lumwana-Minenprojekts.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was f\u00c3\u00bcr Auswirkungen zeitigt der Einzug der ausl\u00c3\u00a4ndischen Bergbauinvestoren in Solwezi auf indigene Gemeinschaften, welche Orte bringt der neue Boom hervor? 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