{"id":4,"date":"2007-03-01T11:52:51","date_gmt":"2007-03-01T09:52:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreaskahler.de\/?p=4"},"modified":"2007-03-28T12:14:13","modified_gmt":"2007-03-28T10:14:13","slug":"zambia-konferenz-der-gossner-mission","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/?p=4","title":{"rendered":"Zambia-Konferenz der Gossner Mission"},"content":{"rendered":"<p>Mitte Februar, Wiesbaden<\/p>\n<p>Eher abseitig und ausw\u00c3\u00a4rts gelegen (Wiesbaden-Naurod ist nicht Wiesbaden), war das kirchliche Tagungs-Domizil nicht ganz leicht erreichbar, daf\u00c3\u00bcr jedoch von angenehmer Architektur sowie im Gr\u00c3\u00bcnen.<br \/>\nZwischen drei\u00c3\u0178ig und vierzig TeilnehmerInnen fanden sich ein; etwa 8 Personen aus Zambia darunter, teilweise im Tross des Botschafters Godwin Kingsley Chinkuli angereist. Bedauerlich, dass die Tagungssprache\u00c2\u00a0 nicht Englisch war, was insgesamt eine bessere Ausgangsbasis geschaffen h\u00c3\u00a4tte.<br \/>\nDer Zambische Botschafter beeindruckte durch seine diskussionsfreudige Mitwirkung; er liess sich alles \u00c3\u00bcbersetzen (v.a. von seinem\u00c2\u00a0 hessischen Honorarkonsul Jorrit H. F. Plambeck) und lieferte mehrfach brillante Redebeitr\u00c3\u00a4ge, Kommentare, spr\u00c3\u00bchend von Witz und argumentativer Energie; er wirkte zuweilen eher wie ein Intellektueller den Politiker.<!--more--><\/p>\n<p>Erwartungsgem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 am meisten Beachtung fand der Vortrag \u00c3\u00bcber \u00e2\u20ac\u017eGr\u00c3\u00bcndbed\u00c3\u00bcrfnisse in d\u00c3\u00b6rflichen und st\u00c3\u00a4dtischen Gemeinden\u00e2\u20ac\u0153 (Barbara Stehl, Gossner-Mission\/United Church of Zambia; Paper liegt in engl. Version vor), eine kundige und sehr differenzierte Analyse. Als Bed\u00c3\u00bcrfnis Nr. Eins f\u00c3\u00bchrte sie Ern\u00c3\u00a4hrungssicherheit an, gefolgt von Wasser, Bildung, Arbeit, Gesundheit, Wohnen, Gleichstellung, &#8230; Sanit\u00c3\u00a4re Einrichtungen. Interessante Beziehungen stellte Stehl in unterschiedlicher Weise zw. Informalit\u00c3\u00a4t und Versorgungsqualit\u00c3\u00a4ten her: Auf der Problemseite steht zuerst der historische Umstand, dass zu Kolonialzeiten unz\u00c3\u00a4hlige MigrantInnen in den urbanen R\u00c3\u00a4umen gezwungenerma\u00c3\u0178en sich in informellen Siedlungen niederlassen mussten, sodass bis heute etwa 70% von Lusakas Bev\u00c3\u00b6lkerung in informellen Stadtsiedlungen von schlechter Infrastruktur und Versorgung wohnen.<br \/>\nEine Erfolgsgeschichte eigener Art stellt die Entwicklung der informellen community schools in Zambia dar. Obwohl in diesen aus quasi kommunaler Initiative gegr\u00c3\u00bcndeten Einrichtungen keine professionellen Lehrkr\u00c3\u00a4fte unterrichten, sehen die Lernerfolge signifikant besser aus als bei den staatlichen Schulen des Landes.<br \/>\nInsbes. im Zeichen der HIV-\/Aids-Verbreitung verwies sie auf Erfordernis angemessen ausgewogener Ern\u00c3\u00a4hrung. Generell problematisierte sie, dass seit 1996 ausschlie\u00c3\u0178lich die l\u00c3\u00a4ndliche Gesundheitsversorgung kostenfrei gestellt worden ist, nicht jedoch die st\u00c3\u00a4dtische.<br \/>\nAls offene Frage von Informalit\u00c3\u00a4t blieb im Raum stehen, ob bzw. welche Informalit\u00c3\u00a4tspotenziale im Gesundheitsbereich vorhanden sein m\u00c3\u00b6gen \u00e2\u20ac\u201c was keine kleine Bedeutung hat angesichts der folgenden katastrophalen Unterversorgung: Bei einer Einwohnerzahl von 12 Mio. arbeiten lediglich 600 \u00c3\u201erzte und 24 Apotheker in Zambia; w\u00c3\u00a4hrend von den j\u00c3\u00a4hrlich 40 Medizin-AbsolventInnen nur 24 im Lande bleiben.<br \/>\nInteressante Ankn\u00c3\u00bcpfungspunkte stellte Stehl heraus mit Blick zum einen zur \u00e2\u20ac\u017eVision 2030\u00e2\u20ac\u0153 vom 16. Jan d.J., zum anderen zum aktuellen Haushalt, wie er am 9.2. verabschiedet worden ist.<\/p>\n<p>Eine\u00c2\u00a0 interessante Pr\u00c3\u00a4sentation (Monika Scheffler, KOSA) entwickelte f\u00c3\u00bcr Zambia eine exemplarische L\u00c3\u00a4nderstudie in puncto Umsetzung der MDGs. Gewiss bietet diese Studie einige Angriffsfl\u00c3\u00a4che f\u00c3\u00bcr Kontroverse und ist auch nicht hundertprozentig pr\u00c3\u00a4zise, doch er\u00c3\u00b6ffnet sie eine ergiebige Zusammenschau der verschiedenen Themenstr\u00c3\u00a4nge und jeweiliger Fort- od. R\u00c3\u00bcckschrittsentwicklungen (<a href=\"http:\/\/www.millenium-entwicklungsziele.de\/\">www.millenium-entwicklungsziele.de<\/a>).<\/p>\n<p>Einigen Widerspruch rief Ulrike Bickel (Misereor) mit ihrem Referat \u00c3\u00bcber die Situation der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte in Zambia hervor. Das war weniger ihren instruktiven Ausf\u00c3\u00bchrungen zur Genese dieser relativ neuen Menschenrechts-Ausformulierungen geschuldet, vielmehr bekam ihr Bericht \u00e2\u20ac\u201c der im Wesentlichen auf zambische NGO-Studien (Schattenbericht) rekurrierte \u00e2\u20ac\u201c eine einseitig, quasi besserwisserisch den Zambischen Staat (resp. Botschafter) angreifenden Ton, wodurch die Diskussion auf eine schiefe Ebene geriet, sofern hier einerseits wissenschaftliche und politische Ausf\u00c3\u00bchrungen, andererseits Zitat und eigene Misereor-Thesen durcheinander gerieten und nicht wirklich ein kritischer Dialog im Programm vorgesehen war. Ein spannend Abschlussfrage war, inwiefern in die neue Landesverfassung tats\u00c3\u00a4chlich verst\u00c3\u00a4rkt WSK-Menschenrechte Eingang finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte Februar, Wiesbaden Eher abseitig und ausw\u00c3\u00a4rts gelegen (Wiesbaden-Naurod ist nicht Wiesbaden), war das kirchliche Tagungs-Domizil nicht ganz leicht erreichbar, daf\u00c3\u00bcr jedoch von angenehmer Architektur sowie im Gr\u00c3\u00bcnen. Zwischen drei\u00c3\u0178ig und vierzig TeilnehmerInnen fanden sich ein; etwa 8 Personen aus Zambia darunter, teilweise im Tross des Botschafters Godwin Kingsley Chinkuli angereist. Bedauerlich, dass die Tagungssprache\u00c2\u00a0 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}