{"id":160,"date":"2010-09-06T16:28:41","date_gmt":"2010-09-06T14:28:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/?p=160"},"modified":"2010-09-14T16:32:58","modified_gmt":"2010-09-14T14:32:58","slug":"likumbi-lya-mize-%e2%80%93-konigin-aus-angola-besucht-zeremonienfeier-von-sambesi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/?p=160","title":{"rendered":"Likumbi Lya Mize \u00e2\u20ac\u201c K\u00c3\u00b6nigin aus Angola besucht Zeremonienfeier von Sambesi"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Kuomboka in Mongu, ist die Likumbi Lya Mize (\u00c3\u00bcbersetzt ungef\u00c3\u00a4hr: \u00e2\u20ac\u017eder Tag von Mize\u00e2\u20ac\u0153) Sambias zweitgr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te traditional ceremony; sie findet allj\u00c3\u00a4hrlich, zwei Tagesreisen und \u00c3\u00bcber Tausend Kilometer von der Hauptstadt entfernt statt, am nordwestlichen Flussabschnitt des Sambesis, beim gleichnamigen St\u00c3\u00a4dtchen Sambesi. Es liegt auf der Hand, dass aufgrund der langen Anfahrt nur wenige Ausl\u00c3\u00a4nder und G\u00c3\u00a4ste den Weg zu dieser Festst\u00c3\u00a4tte und Feier finden. <!--more--><br \/>\nWir haben mit unserer Reise nach Sambesi umso mehr Gl\u00c3\u00bcck, als wir einer historischen Pr\u00c3\u00a4miere beiwohnen: Erstmals nimmt Chieftainess Nyakatolo aus Angola an den Feierlichkeiten teil, die K\u00c3\u00b6niginmutter aller Luvale in Angola und Sambia. Was allen Feiernden eine besondere Aufregung und Freude bereitet. Schon am Ankunftsabend, Freitag, jubeln Luvale aus Angola und Sambesi zur Ankunft von Nyakatolo und begleiten sie dann entweder per Auto und Hupkonzert oder laut singend zu Fu\u00c3\u0178 zu ihrem k\u00c3\u00b6niglichen Quartier, bevor die Feier am Folgetag dem H\u00c3\u00b6hepunkt entgegen geht. Am offiziellen Haupttag finden sich immer auch Regierungsvertreter sowie geladene traditionelle F\u00c3\u00bchrer, chiefs befreundeter Volksgruppen in Mize ein, am Palast von Luvale-K\u00c3\u00b6nig Ndungu und dem Festorte der Likumbi Lya Mize.<br \/>\nEigentlich, so lernen wir w\u00c3\u00a4hrend unseres Kurzbesuchs, beginnt die mindestens einw\u00c3\u00b6chige Zeremonie stets bereits am Montag; und zwar mit dem ersten Erscheinen der Makishi-T\u00c3\u00a4nzer an der Ruhest\u00c3\u00a4tte der Luvale-Vorfahren. An ihrem Friedhof, auf der Stadtseite des Flusses gelegen, beschw\u00c3\u00b6ren sie die Ahnen, bevor sie am Dienstag oder Mittwoch den Sambesi nach Westen \u00c3\u00bcberqueren, gen Mize. Unterwegs, auf dieser \u00c3\u0153berquerung und Zeitreise, ist jeder der Zeremonientage einem besonderen Auftritt vorbehalten. Jeder der rund zwanzig rot-schwarz-wei\u00c3\u0178en Makishi tr\u00c3\u00a4gt eine andere Maske und ein je eigenes Kost\u00c3\u00bcm, und jedes Jahr wieder ver\u00c3\u00a4ndert. Unter den verschiedenen, teils gruseligen, teils urkomischen, immer jedoch fantastischen Masken f\u00c3\u00a4llt heute ein fast menschenhaftes Mondgesicht auf; diese Maske sei neu, erkl\u00c3\u00a4ren uns zwei Luvale. Ja, allein schon die einzelnen Masken sowie das Ensemble der T\u00c3\u00a4nzer ergreift und fasziniert. Mancher Anblick erinnert an Traumbilde und Alpratzen, Schreckensmomente gehen dann ins Aberwitzige \u00c3\u00bcber. Und wer w\u00c3\u00a4hrend dieser Tage \u00c3\u00bcbers Festgel\u00c3\u00a4nde l\u00c3\u00a4uft, dem kommt auch schon einmal ein Paar \u00e2\u20ac\u201c einfacherer \u00e2\u20ac\u201c Makishi hinterher gelaufen, um einen Streich zu spielen und (erfolgreich) etwas Angst zu machen: nicht nur Fremde, selbst Einheimische nehmen zuweilen dann rei\u00c3\u0178 aus.<br \/>\nF\u00c3\u00bcr die Luvale ist ihre traditional ceremony ein so pers\u00c3\u00b6nliches Anliegen wie ein Familienfest oder eigener Geburtstag, zu dem sie Verwandten und Freunde eingeladen haben. Ein jeder Besucher, jede Besucherin wird aufs Freundlichste empfangen, und ein jeder Gast bleibt f\u00c3\u00bcr \u00e2\u20ac\u017eden Tag von Mize\u00e2\u20ac\u0153 Angeh\u00c3\u00b6riger der Festivit\u00c3\u00a4ten; kann sich vereint f\u00c3\u00bchlen mit den Luvale in Tanz und Musik, bei der K\u00c3\u00b6niginnenbegr\u00c3\u00bc\u00c3\u0178ung (verbeugend, auf Knien), der Flucht vor einem n\u00c3\u00a4rrischen Makishi, bei Feiern, Speis und Trank.<br \/>\nUngeachtet Sponsorenlogos und Werbebanner \u00e2\u20ac\u201c noch trotzten die Luvale der Kommerzialisierung, und die Zeremonie besteht als Mysterienspiel fort, faszinierend und befremdend f\u00c3\u00bcr uns zugleich.<br \/>\nVermutlich l\u00c3\u00a4sst sich ein Gro\u00c3\u0178teil der Likumbi Lya Mize als Initiationsritual verstehen. Hierzu passen die von Trommelrythmen begleiteten, Aufsehen erregenden Tanzauftritte von Luvale-M\u00c3\u00a4dchen, festlich geschm\u00c3\u00bcckt und kost\u00c3\u00bcmiert, mwali genannt, deren weibliche Reife so zelebriert wird.<br \/>\nAm Rande kam es auch dieses Jahr zu Gewaltausschreitungen zwischen den Luvale und Lunda, weil die Grenzverl\u00c3\u00a4ufe zwischen den beiden K\u00c3\u00b6nigt\u00c3\u00bcmern nicht klar geregelt sind. So kritisiert senior chief Ndungu die Regierung, weil sie sich einfach aus dem langj\u00c3\u00a4hrigen Stammeskonflikt heraushalte, anstatt zur Schlichtung beizutragen. Brennpunkt ist der Friedhof der Luvale auf der township-Seite des Flusses, von wo aus die Makishi ihren Auftritt beginnen: Ist das Stadtgebiet staatlich, also \u00e2\u20ac\u017eneutral\u00e2\u20ac\u0153, oder geh\u00c3\u00b6rt es zu einem der K\u00c3\u00b6nigt\u00c3\u00bcmer, ist also entweder Eigentum der Lunda oder Luvale?<br \/>\nSeit britischer Gemeindegr\u00c3\u00bcndung (1907), als die Kolonialverwaltung das damalige Baluvale ausrief, streiten sich in Sambesi bis heute Lunda und Luvale, wem welches Land geh\u00c3\u00b6rt \u00e2\u20ac\u201c insbesondere zu Zeremonienzeiten. Ausgerechnet der Luvale-K\u00c3\u00b6nig unterbreitet nun detaillierte Gesetzgebungsvorschl\u00c3\u00a4ge zur Beilegung des Grenzstreits; die Politik solle aufh\u00c3\u00b6ren, so \u00e2\u20ac\u017er\u00c3\u00bcckw\u00c3\u00a4rtsgewandt\u00e2\u20ac\u0153 zu agieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Kuomboka in Mongu, ist die Likumbi Lya Mize (\u00c3\u00bcbersetzt ungef\u00c3\u00a4hr: \u00e2\u20ac\u017eder Tag von Mize\u00e2\u20ac\u0153) Sambias zweitgr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te traditional ceremony; sie findet allj\u00c3\u00a4hrlich, zwei Tagesreisen und \u00c3\u00bcber Tausend Kilometer von der Hauptstadt entfernt statt, am nordwestlichen Flussabschnitt des Sambesis, beim gleichnamigen St\u00c3\u00a4dtchen Sambesi. Es liegt auf der Hand, dass aufgrund der langen Anfahrt nur wenige [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/160"}],"collection":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=160"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/160\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/blog.andreaskahler.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}